Time For Metal: Die Top 5-Alben des Jahres 2020 unseres Teams – Heute: Heike L.

Teil 15 von 18

Wie in den vorangegangenen Jahren haben wir auch in diesem Jahr im Time For Metal-Team gefragt, was denn für jeden die musikalischen Highlights waren. Dafür haben unsere Teammitglieder ihre ganz persönlichen Lieblingsalben rausgesucht.

Neben einem Hörbeispiel haben wir für die Top 5 auch jeweils den Link zu unserem Review aufgeführt, damit ihr noch einmal nachlesen könnt, warum das Album seinen Platz in den ganz persönlichen Top 5 des Jahres 2020 gefunden hat. Neben diesen Top 5 – die übrigens kein Ranking darstellen, sondern in zufälliger Reihenfolge genannt sind – gibt es auch immer wieder mal die eine oder andere persönliche Empfehlung unserer Teammitglieder, also viel Spaß bei der Lektüre!

Ist schon seltsam, im vergangenen Jahr war noch alles in Ordnung, ich war bei insgesamt 120 Konzerten und habe dabei sowohl bekannte Bands wiedersehen als auch neue Bands entdecken können. Veröffentlichungstechnisch war für mich aber irgendwie der Wurm drin. Und dieses Jahr 2020 mit seiner verf… Pandemie sorgt zwar für Flaute bei Konzerten (ich war bislang wohl so bei 30), aber was dieses Jahr an Veröffentlichungen zu bieten hat, sorgt für fast schon paradiesische Zustände in den heimischen vier Wänden. Mich hier auf meine Top 5 und noch maximal 3 Empfehlungen zu beschränken, fiel mir bei ungefähr 15 Alben in meiner Top-Liste sehr schwer.

Dawnwalker – Crestfallen (EP)

Als Dawnwalker ihre EP Crestfallen veröffentlichten, war der erste Lockdown schon in vollem Gange. Da kam diese EP gerade recht, um die negativen Gefühle, die mich da schon beschlichen hatten, ein wenig abzumildern und den Blick auf die schönen Dinge, die es ja nach wie vor gab, zu lenken. Bei den sehr kreativen Londonern klingt kein Album wie das andere. Das haben sie auch mit der nächsten Veröffentlichung Ages aus November bewiesen, das von mir ebenfalls 9 Punkte bekam. Von daher sind im Grunde beide Veröffentlichungen gleichwertig. Da aber Crestfallen diese wunderbar positive Stimmung vermittelt, findet es sich in meinen Top 5 wieder. Ein Beispiel dafür gibt es im „Isolation Video“, das Dawnwalker zum Titeltrack Crestfallen produziert haben:

Itching – Endgegner

Was ganz anderes als Dawnwalker haben Itching mit ihrem Album Endgegner zur Mitte des Jahres geliefert. Und da hatte ich in meinem Fazit schon geschrieben, dass die Jungs wohl sehr weit oben in meinen Jahrescharts landen werden. Es sind in der zweiten Jahreshälfte zwar noch einige sehr gute Album veröffentlicht worden, aber Itching haben mich echt mächtig beeindruckt. Sie sind auf Endgegner durch die Welten einiger Genres gewandert, die eigentlich gar nicht so weit voneinander entfernt liegen, und haben die musikalischen Ergebnisse in knapp 70 Minuten perfekt miteinander verwoben. Tolles Songwriting, sehr variabler Gesang und eine Instrumentenfraktion auf allerhöchstem Niveau sorgen bei mir nach wie vor für diverse Mosphits in den heimischen vier Wänden. Und wie schon im Review gibt’s auch hier das Video zum Titeltrack Endgegner:

Lunatic Soul – Through Shaded Woods

Genau in dieses Jahr passt dieses wunderbare Album von Lunatic Soul, wie schon die EP Crestfallen von Dawnwalker. Die englische Sprache hat dafür das Wort „uplifting“, was meiner Meinung nach besser passt, als „erhebend“. Hat Mariusz Duda mit seinen letzten beiden Alben, die auch mit viel mehr elektronischen Elementen gespickt waren, als dieses hier, eher seine persönlichen Schicksalsschläge verarbeitet und vielleicht auch seine inneren Dämonen bekämpft, ist Through Shaded Woods ein absolut positives Album. Nach mittlerweile neun Monaten, die wir schon mit der Pandemie leben, hat es mir seit der Veröffentlichung schon sehr viele tolle Stunden beschert, in denen ich entweder gemütlich auf dem Sofa saß oder auch tatsächlich mal ähnlich, wie die Mädels im Video zu Navvie durch mein Wohnzimmer getanzt bin. Hier gibt es allerdings nicht das Video zu Navvie sondern das zu The Passage. Das war das Erste, was veröffentlicht wurde, und nach dessen Genuss ich zumindest ansatzweise erahnte, das da was ganz Großes kommt.

Act Of Creation – The Uncertain Light

Nach den ersten Hördurchläufen von The Uncertain Light war mir schon klar, dass dieses Album in meinen persönlichen Jahrescharts ganz weit oben landen wird. In einigen Jahrescharts anderer Magazine haben Act Of Creation das bereits geschafft, und das auch wohlverdient. Ich werde wohl nie vergessen, wie ich die mir da noch vollkommen unbekannten Act Of Creation im Januar dieses Jahres zum ersten Mal live erlebt habe und vor allem von den Shouts und Growls von Jess weggeblasen war. Dass die Fünf dann mit dermaßen leichter Hand die beiden Genres Death Metal und Thrash Metal mischen und da dann zusätzlich auch noch Zeit für wunderbare Melodien finden, ist mehr als bemerkenswert. Auf knapp 55 Minuten Spielzeit kommt The Uncertain Light, und die sind dermaßen abwechslungsreich, wie ich es nicht immer erlebe. Zum Song Reflection haben Act Of Creation gerade ein Lyric-Video veröffentlicht, bei dem es nicht nur eine shoutende und growlende Jess gibt. Sie kann auch Clean Vocals!

Entorx – Faceless Insanity

Auch in meinem Review zu Faceless Insanity von Entorx hatte ich bereits geschrieben, dass das wohl sehr weit oben in meinen Jahrescharts auftauchen wird. Um die Kreativität, vor der das Album so strotzt, beneide ich die Jungs. Und wer dann zusätzlich zu sowieso schon eher progressiv ausgerichtetem Technical Death Metal noch weitere progressive Elemente in die Songs einbaut, ist auf einem Level der Beklopptheit angekommen, das noch ein wenig höher als mein eigenes ist. Aber genau solche Bands braucht es, um die Szene lebendig zu halten. Und da rede ich nicht nur von der Undergroundszene. Es gibt so viele Bands, die einfach nur auf Nummer sicher gehen und damit, zumindest für meine Ohren, Alben produzieren, die bestenfalls Mittelmaß sind und auch nur sein können. Aber nachdem die Jungs mein Hirn erst mal ordentlich zu Brei gekloppt haben, kann ich mittlerweile wieder halbwegs normal denken, und ich freue mich drauf, wenn ich irgendwann mal erleben kann, wie die Jungs das Ganze live rüberbringen. Hier gibt es, wie schon in meinem Review, das Lyric Video zu Hypocritical Faith:

Weitere Empfehlungen

Neben den Bands in meinen Top 5 könnte ich noch so viele andere empfehlen. Vor allem in der Undergroundszene hat es wieder mächtig gebrodelt (wobei vier der Bands in meinen Top 5 ja auch aus dem Underground kommen). Allerdings haben hier viele Bands „nur“ einzelne Songs veröffentlicht, und auch in diesen Empfehlungen soll es um EPs und Alben gehen.

DanheimSkapanir

Ich weiß gar nicht mehr so ganz genau, wie ich Danheim entdeckt habe. Wahrscheinlich hat er in der Autoplay-Liste von YouTube gestanden, als ich mal wieder Videos von Wardruna oder Heilung geguckt habe. Mit Skapanir hat Danheim in diesem Jahr wieder mal ein so wunderbares Album veröffentlicht, dass es, wenn es schon nicht in meinen Top 5 gelandet ist, zumindest hier erwähnt werden soll. Und wenn ich das tolle Video zum Song Kala sehe, frage ich mich hin und wieder, wie auch bei manchen Videos von Wardruna, ob wir hier im 20. Jahrhundert mit unseren ganzen Errungenschaften wirklich so viel besser leben, als es die Menschen damals getan haben.

DycesPsychopath

Das krasse Gegenteil von Danheim kommt mit Dyces. Die haben Ende November ihr Debütalbum Psychopath veröffentlicht, und man kann sagen, der Name ist Programm. Es geht nämlich auf Psychopath um eben diesen Psychopathen, und die Songs versuchen, in die Gedankenwelt eines Serienmörders einzutauchen. Das geht von der Planung der Tat über das Ausspähen der Opfer bis hin zur Tat selbst und die Gefühle, die der Protagonist dabei hat. Das alles haben Dyces musikalisch im Death Metal/Deathcore angesiedelt und mit den sehr geilen Breakdowns auf diesem Album selbst in mir, die noch nie in irgendeinem Pit war, den dringenden Wunsch geweckt, mal einen richtigen Violent Dance zu veranstalten, auch wenn ich ein strikter Gegner dieses Stils bin. Hier gibt’s das Lyric Video zu einem meiner Anspieltipps Slaughterhouse:

AtlasesWoe Portrait

Ich hatte diesen Artikel schon komplett geschrieben, als ich mir das Album Woe Portrait von Atlases zum Review gegriffen habe. Und die haben mich tatsächlich gleich beim ersten Hören aber so was von vom Stuhl geblasen, dass sie hier auf keinen Fall fehlen durften. Normalerweise werde ich bei langen ruhigen Passagen irgendwann mal kribbelig (von reinen Balladen mal ganz zu schweigen), aber Atlases wissen ganz genau, wie lange sie in einer Melodie verharren können und wann sie mal wieder zur nächsten gehen sollten. Dass sie auf Woe Portrait streckenweise sehr an ihre finnischen Kollegen von Ghost Brigade erinnern, kommt ihnen, zumindest aus meiner Sicht, auch sehr zugute. Ghost Brigade haben ja leider Mitte dieses Jahres verkündet, dass sie sich auflösen, aber sie haben so viele Songs hinterlassen, die man jederzeit gern wieder hervorkramt. Mit ihrem zweiten Album haben Atlases das auch schon geschafft, und hoffe sehr, dass da noch viele dazukommen. Hier gibt’s noch einmal das Video zu Dreadlight:

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