Rotten Coffin – The Agony In Slumber

Portugiesischer Old School Death Metal - brutal und mit eigenen Ideen versehen

Artist: Rotten Coffin

Herkunft: Portugal

Album: The Agony In Slumber

Spiellänge: 43:45 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 10.12.2022

Label: Escaravelho Records (Kassette), Bitter Loss Records (CD/LP/Digital)

Link: https://rottencoffin.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Devourer
Gitarre, Bassgitarre – Guilherme Abreu
Gitarre, Bassgitarre – Zé Rodrigues
Schlagzeug (Session) – Krzysztof Klingbein

Tracklist:

  1. Intro
  2. Barren Landscapes
  3. Looming Shades Of Mind
  4. Grim Megalith
  5. Torment Parallax
  6. Interlude
  7. Where The Souls Dwell
  8. Metamorphic
  9. The Agony In Slumber
  10. Uniting Worlds Within
  11. Outro

Dieses Trio aus Portugal zockt seit dem Jahre 2020 zusammen. Sowohl Guilherme Abreu als auch Zé Rodrigues kümmern sich um die Gitarren- und Bassriffs. Auch etwas ungewöhnlich. Dafür haben sie keinen Drummer, aber das ist heutzutage ja auch kein Problem. Zum Glück greifen sie aber nicht auf einen Drumcomputer zurück, sondern haben sich einen Sessiondrummer an Bord geholt. Keinen Geringeren als Krzysztof Klingbein. Der junge Pole ist gerade live sehr viel unterwegs, u.a. ist er im Moment bei Belphegor und Batushka am Start, war schon bei Vader und Hate und hat zig andere Alben eingehämmert.

Ein bedrohliches Intro leitet den portugiesischen Spaß ein. Knappe neunzig Sekunden geht dieses und kommt echt gut, mit einer Art Beschwörungsritual.

Danach geht es mit Barren Landscapes schön old schoolig los. Voll auf die Zwölf, ohne große Umschweife. Gleich zu Beginn fällte einem der brutale Sound auf und deutet auf eine echt fette Produktion hin. Natürlich reden wir hier vom Death Metal. Nach der Attacke wird erst einmal ein wenig gegroovt. Feinstes Midtempo. Danach holt man einen langen, atmosphärischen Part heraus. Ja, der kann was. Die ansonsten herrschenden Growls werden durch Screams ersetzt. Fett. Macht schon einmal Laune. Der groovende Part folgt wieder. Ein Basssolo findet seinen Weg und man bleibt erst einmal groovig, bis man dann zu einem melodischen Element wechselt. Die Doublebass drückt dabei ohne Ende. Weiter geht der Groove und dann ist auch schon ruckzuck Feierabend.

Looming Shades Of Mind folgt. Langsam und groovig startet man den Tag. Das Riffing kommt einem schon sehr bekannt vor, ist eben alte Schule. Man bleibt beim gediegenen Tempo, variiert aber beim Riffing. Kurze Drumbetonungen, kurze Vorspieler und dann in einen Uftata-Part. Das Tempo und das Aggressionslevel werden nun ein wenig erhöht. Ein Midtempopart folgt und wieder ein Groove, um dann die Geschwindigkeit gekonnt zu erhöhen. Klingt alles ein wenig chaotisch. Einige Parts knallen ohne Ende, andere bleiben gar nicht hängen. Schon komisch, aber im Grunde macht das Zuhören sehr viel Spaß, vor allem die später erklingende Melodie und der Flüstergesang haben es in sich. Der anschließende, druckvolle Groove ebenfalls, allerdings hat man das Gefühl, dass der Song niemals endet, denn man holt noch einmal ordentlich die Kelle heraus und ballert alles kurz und klein, um dann den Groove wieder sprechen zu lassen. Der Song geht nur 4:29 Minuten, aber durch das dauernde Hin und Her fühlt er sich wesentlich länger an.

Grim Megalith kommt auch mit einem old schooligen Feeling um die Ecke und erinnert beim verschleppten Riffing ganz wenig an Morbid Angel. Der Song selber ist an sich eine gelungene Mischung aus Brutalität und eben alter Schule. Der treibt gut vor sich hin und baut ordentlich Druck auf, wie in vielen alten Songs regiert die Leadgitarre und dieses passt schon sehr gut. Das Wechselspiel zwischen Growling und Screaming passt auch total. Das melodische Solo ist der Knaller und das nachfolgende melodische Lead ebenfalls. Schockt wohl. Danach groovt man wieder sehr druckvoll. Hat was, geiler Song. Es folgt noch einmal ein Solo und dann ist auch schon Feierabend.

Die Songs sind recht lang gehalten und bieten eben eine Mischung aus Riffing der alten Schule und brutalen Death Metal Strukturen. Kann man gut bei dem Song Torment Parallax wahrnehmen.

Stakkato-Riffing und Power-Akkorde geben sich die Klinke in die Hand und funktionieren hervorragend nebeneinander. Die Portugiesen interpretieren den Old School Death Metal schon sehr eigenständig und transportieren ihn nicht neu, aber anders. Viele eigene Ideen, die etwas moderner sind, werden mit eingebaut.

Metamorphic ist da so ein entsprechendes Beispiel für. Geballer mit lang gezogenen Gitarrenquietschern und dann erst einmal voll auf die Zwölf. Jawohl, so mag ich es. Drummer Krzysztof zeigt, nicht nur hier, warum er schon so viele Sachen eingezockt hat. Neben dem Geballer gibt es dann diese typischen Midtempoelemente, aber eben auch melodische Ansätze. Eine sehr geile Kombination, wie ich finde. Grooven können sie auch, das ist ja nicht neu. Macht totale Laune, da man auch die technische Seite zum Vorschein bringt.

Rotten Coffin – The Agony In Slumber
Fazit
Die Portugiesen von Rotten Coffin klingen auf ihrem Debüt sehr eigenständig. Diese Mischung aus old schooligem Riffing und modernen Anleihen macht diese Art des Death Metals sehr interessant, auch wenn nicht alles mich überzeugt. Die Soli und die melodische Leadgitarre klingen extrem geil, muss man schon sagen. Es geht schnell zur Sache, aber das Tempo wird ordentlich variiert. Die Burschen haben einen eigenen Weg gefunden, old schooligen und brutalen Death Metal in die Neuzeit zu transportieren. Macht echt überwiegend Laune. Eine Combo, die man im Auge behalten sollte.

Anspieltipps: Barren Landscapes und Metamorphic
Michael E.
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