Nightwish: 20 Jahre Wishmaster – „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past

Zwei Jahrzehnte nach der krachenden Wishmaster Explosion ist vieles im Hause Nightwish verändert

Wir befinden uns seit 20 Jahren in einem neuen Jahrtausend. Das legendäre Jahr hat nicht nur kalendarisch eine große Wirkung auf uns gehabt, sondern ist das Geburtsjahr so manchen Metalklassikers. In den 12 Monaten dieses Jahres wollen wir euch daher jeden Monat Alben in einer kleinen Kolumne zurück in eure Ohren bringen. Zum Jahresendspurt haben wir ein paar mehr Kolumnen aus dem Sack gelassen. Alle Ausgaben findet ihr weiter unten. Dabei wurde das Augenmerk nicht nur auf die Großen des Genres geworfen. Ein Kriterium unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe ist, dass die Formation in diesem Jahr auch live unterwegs ist. Nun gibt es aber leider Corona. Von den ganzen geplanten Festivals und Touren ist nichts mehr von da. Aber: Die Band bzw. die Musiker, welche für die damaligen Bands aktiv waren, könnten ja bald wieder auf Tour gehen. So gibt es eine kleine Änderung in unserer Kolumne. Statt „On Tour“ heißt es nun eben „Could Be On Tour“, wobei Nightwish nach jetzigem Stand im Mai ihre Shows nachholen wollen.

Wie oft ich diese Gruppe aus den Augen verloren habe, mag ich gar nicht mehr aufzuzählen, aber dazu später mehr. Die glorreichste Zeit der finnischen Symphonic Metal Band lag für mich um die Jahrtausendwende. Alben wie Oceanborn, Wishmaster und Over The Hills And Far Away bleiben legendär. Die erfolgreichste Phase hatten sie mit Tarja und Once im Jahre 2004, der vermutlich tiefste Cut in der Karriere. Der Song Nemo hatte eine ähnlich Wirkung wie Hard Rock Hallelujah ihrer Landsleute von Lordi, der nicht nur die positiven Aspekte des Mainstream Musik Business mit sich brachte. Nach dem Break mit der charismatischen Sängerin kam uns nur Floor Jansen von After Forever in den Kopf – dieser Joker wurde zunächst nicht gezogen und Fans mussten mit Anette Olzon vorliebnehmen. Sie hat das ebenfalls sehr erfolgreiche Album Imaginaerum mit diversen Goldenen Schallplatten und Doppelplatin in ihrer Heimat geprägt. Gepasst hat es für die vielen eingefleischten Anhänger trotzdem nie. Nach diesem vermeintlichen Fehlgriff wurde die Niederländerin Floor Jansen endlich mit ins Boot geholt. Heute geht es jedoch eigentlich um den Geburtstag von Wishmaster und genau dahin wollen wir zurückkehren.

Als Opener fungiert mit She Is My Sin eine echte Granate und einer der treibendsten Symphonic Metal Stücke, die man bis dato kannte. Bombastische Momente greifen in elegante Melodienmuster und mittendrin diese unglaubliche Tarja Turunen. Die Finnen setzten in dieser Epoche ganz neue Maßstäbe, was Opera und Female Metal Gesänge angeht. In Kombination mit Tuomas Holopainen an den Tasten prägten sie nicht nur Stücke wie The Kinslayer oder Come Cover Me. Gemeinsam mit Bassist Sami Vänskä, Gitarrist Emppu Vuorinen und Drummer Jukka Nevalainen bildeten sie ein Quintett, welches einer Naturgewalt glich. Über Drakkar und Spinefarm Records wurde Wishmaster im Sommer 2000 veröffentlicht. Mit zwölf Kompositionen kommt der Silberling in der Urversion auf fast eine Stunde Spielzeit. Das Artwork im dunkleren Rot und Schwarz gehalten, ist bis heute eins der bekanntesten Cover des Metal Top Acts. Der kleine Junge, der an einem der vielen Seen kniet und den Gänsen hinterherblickt, die in der untergehenden Sonne in den wolkenverhangenen Himmel tauchen, erweckt nicht nur bei mir viele Jugenderinnerungen.

Abermals zurück zum Output des Langeisens. Vorm Titeltrack wird an Tempo reduziert. Wanderlust und Two For Tragedy noch emotionaler aufgezogen, lassen Tarja in ihrer ganzen Blüte erstrahlen. Die Stimme bleibt einmalig und setzt ihr die Krone auf, die sie meiner Meinung nach auch heute immer noch innehat. Wer sie als liebevolle, charmante und witzige Königin des Symphonic Metal betitelt, dem kann man nicht widersprechen, auch wenn sie es in ihrer ganzen Bescheidenheit abstreiten würde. Die Mitte erreicht, trumpft Wishmaster auf. Tuomas Holopainen ist ganz in seinem Element und kreiert einen durchdringenden wie mystischen Sound, der als Markenzeichen von Nightwish einen Ohrwurm in Hunderttausende Ohren gepflanzt hat. Wusstet ihr, dass die Truppe in ihrer Heimat als Weltstars gefeiert werd und Shows im öffentlichen Fernsehprogramm laufen?

Kurz, prägnant und stimmig ziehen die fünf weiter ihre Kreise. Dem Stil treu, servieren sie das Trio Bare Grace Misery, Crownless und Deep Silent Complete auf dem dritten Studioalbum. Letzterer ist die einzige offizielle Single aus Wishmaster. Die drei Fantasmic Passagen sind der Tribut von Holopainen an Walt Disney. Der Mastermind ist bekanntlich großer Fan von Disney und zeigt die Vielseitigkeit der Platte auf. Sleepwalker beendet die Session. Der abschließende Titel gehört live nicht zur Geheimwaffe und wurde bis heute nur vereinzelt zelebriert, da behalten viele andere Hits berechtigterweise den Vorzug. Neben viel Licht gibt es dann auch hier und da einen kleinen Abfall der Spannungskurve in einem sehr ansprechenden wie hochwertigen Album, das damals für das noch frische Genre schnell zum wichtigen Meilenstein wurde.

Für 2021 habe ich sowohl Nightwish als auch Tarja auf dem Zettel. Dabei behält die Sängerin der ersten Tage weiter die Nase vorne, das Interesse an ihrer alten Formation ist erfreulicherweise wieder gewachsen. Abschließend daher die Auflösung der vielen kleinen Momente, in denen die Band aus meinem Gedächtnis flog. Das erste große Oha! war ganz klar Once. Ein gutes Album, was trotzdem viele negative Aspekte für mein Nightwish Weltbild mitbrachte. Der Bruch mit Tarja, die nicht optimale Besetzung mit Anette Olzon und der oft sehr eigenwillige Herr Holopainen sorgten für viele Achselzucker. Im Jahr 2020 angekommen, wäre ein fetter Gig mit Floor schon eine Entschädigung, die 2021 sicher zu einem besseren Musikjahr als die letzten Monate machen würde.

Die weiteren Ausgaben der kleinen Serie:

Lest hier auch die Januar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Hammerfall: 20 Jahre Renegade

Hier kommt ihr zur Februar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Destruction: 20 Jahre All Hell Breaks Loose

Klick hier für die März-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Papa Roach: 20 Jahre Infest

In der April-Ausgabe gab es in der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: The Offspring: 20 Jahre Conspiracy Of One

Schaut euch auch die Mai-Ausgabe der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe an: Iron Maiden: 20 Jahre Brave New World

In der zweiten Mai-Ausgabe wurden Stratovarius mit „Could Be On Tour Today With Music From The Past” und Infinite vorgestellt

Für die Juni-Ausgabe, hatten wir uns Virgin Steele mit „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past und The House Of Atreus Act II  vorgenommen.

Hier kommt ihr zur ersten Juli-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Limp Bizkit: 20 Jahre Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water

Die zweite Juli-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past beschäftigt sich mit Linkin Park und Hybrid Theory

In der August-Ausgabe gab es eine Doppelpack in einer Story von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past, es geht um zwei Bands aus Göteborg, Haven von Dark Tranquillity und Clayman von In Flames

In der Oktober-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past geht es um die Mitbegründer des Progressive Metal, Fates Warning und ihr Werk Disconnected

In der ersten November-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past widmen wir uns den Dänen Pretty Maids und ihrem Album Carpe Diem.

Hier kommt ihr zur zweiten November-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Rhapsody: 20 Jahre Dawn Of Victory

Im dritten Teil unserer November-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe wird das Album Verlierer Sehen Anders Aus der Düsseldorfer Punkrocker Broilers beleuchtet.

In der ersten Dezember-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past dreht sich alles um das Album The Savage Poetry der deutschen Heavy Metal Recken Edguy.

Hier kommt ihr zur zweiten Dezember-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Deftones: 20 Jahre White Pony

Die dritte Dezember-Ausgabe trägt den Titel 20 Jahre We Are Motörhead von und mit Lemmy und seiner Band Motörhead im „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Gewand.

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