Soilwork: 20 Jahre A Predator’s Portrait – „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past

Ein massiver Einschlag in der melodischen Metal Szene des noch jungen Jahrtausends

Es geht weiter mit unserer Reihe „Could Be On Tour“, diesmal mit der Band Soilwork, deren Drittwerk A Predator’s Portrait am 20. Februar 2001 auf die Melodic Death Metal Fraktion losgelassen wurde. Man merkt dem Album die gehörige Zuladung von Muskelmasse im Vergleich zu den Vorgängern an, schließlich musste die Band sich damit als verlässlicher Newcomer etablieren und die Weichen für die kommende Zukunft stellen, demnach ein „Make it, or break it“-Album. Dass man von Nuclear Blast als starke Plattenfirma an Bord geholt wurde und somit vom kleineren Listenable Records wechselte, zeigt das Vertrauen der Geldgeber in die Band. Im Übrigen ist die Band nach wie vor beim selben Label und liefert in schöner Regelmäßigkeit gute Alben ab, aktuell mit Verkligheten und der EP A Whisp Of The Atlantic, die beide völlig neue Wege beschreiten und schwer zu überbieten sein dürften. Zurück zu A Predator’s Portrait, das vor zwanzig Jahren ähnlich innovativ gewesen ist, wie die letztgenannten Meisterwerke.

Die Story des Albums ist aus heutiger Perspektive zwar völlig Banane (und war es damals auch schon), man setzt sich mit einer Serienmörderthematik auseinander, allerdings ist die musikalische Darbietung wirklich erstaunlich. Man kredenzt dem Hörer eine bis dato ungehörte Melange zwischen speedig/trashigem Material und zornigen Vocals, die von BjörnSpeedStrid mit maximaler Härte ins Mikro geröchelt werden. Aber, und das macht den Sänger so außergewöhnlich, er kann auch anders, zumindest auf Platte, und haut neben den Shouts wunderbare Klargesänge in den Refrains auf die Langrille, edel produziert im Studio Fredman von Fredrik Nordström, was sicherlich auch sofort die Nähe zum melodischen Death Metal erklärt. Wieso das jetzt? Ganz einfach, das Studio Fredman ist quasi das Hausstudio von In Flames gewesen (die die Räumlichkeiten mal eben im Jahre 2005 gekauft haben und es zu den IFStudio umbenannten, worauf das Fredman erst räumlich umgelagert wurde, mittlerweile aber wieder in der Nähe von Göteborg ist).

Gerne höre ich mir immer noch den knallharten Opener an und natürlich die damals ausgekoppelte Single Like The Average Stalker, in dem die Band ihre DNA in kristalliner Essenz herrlich präsentiert. Die oben erwähnten Thrashgitarren treffen hier erstmals auf lupenreine Melo Death Riffs von Peter Wichers, der der Ideengeber der frühen Soilwork gewesen sein dürfte und dessen Weggang schmerzliche Wunden gerissen hat, mittlerweile aber durch Sylvain Coudret und David Andersson wahnsinnig gut ersetzt wird, man höre das obige Verkligheten und staune. Wer die Band gar nicht kennt und gar kein Gefühl für den zackigen Thrash der Band hat, dem sei gesagt, dass Soilworks Drummer Dirk Verbeuren, der 2004 bei der Band angeheuert hatte, die Chance seines Lebens ergriff und seit 2016 bei niemand anderem als Megadeth die Felle verhaut. Demnach ist Thrash eigentlich die Urwurzel der Band, die eigentlich von keiner anderen Band so kreativ umgesetzt wurde und nach wie vor wird. Im Fahrwasser von A Predator’s Portrait muss unbedingt auch noch die vergessene (?) Band Lyzanxia und deren Album Mindcrimes erwähnt werden, die sozusagen mit und durch Soilwork inspiriert wurden, maßgeblich durch vorliegendes Album beziehungsweise durch Dirk Verbeuren.

Stark ist auch das tolle The Analyst, bei dem sozusagen für das vierte Album Natural Born Chaos vorgefühlt wurde, das niemand anders als Ausnahmetalent Devin Townsend auf ein neues Level als Produzent gepusht hatte. Von daher war dieser Song ein besonders wichtiger für die Band. Etwas schwächer muten Songs wie Grand Failure Anthem, Structure Divine oder Shadowchild an, die für Soilwork beinahe Stangenware sind. Final Fatal Force wird immer noch gerne von der Band gebracht, hingegen der Namensgeber A Predator’s Portrait aus mir unerfindlichen Gründen nicht, möglicherweise, weil es einfach im Backkatalog der Band bessere Songs gibt. Wie dem auch sein, die zwanzig Jahre haben dem Album kein bisschen geschadet, im Gegenteil, etwas wehmütig schaue ich auf die letzten zwanzig Jahre zurück (verdammt, ging das schnell) und erinnere mich genau, wie ich das Album damals im Saturn Trier gekauft habe. An der Kasse schaute mich die Verkäuferin geringschätzig an und ich konnte ihre Gedanken förmlich hören: „Wer hört denn so einen Scheiß? Alles Freaks die Typen.“ War mir völlig egal, was die Tante damals dachte. Ich war nur glücklich, endlich das heißersehnte Album in der Hand zu halten, denn ein bekanntes Metalmagazin hatte mich damals mit Like The Average Stalker ziemlich aus der Bahn gehauen. Klar, dieses Album musste man haben. 2001 habe ich gerade Abi gemacht und bin gefühlt allen Leuten mit der Band auf den Keks gegangen. Wollte natürlich keiner hören, Metal war an meiner Schule nicht in, lediglich Holger, Maddin, Heiko, Andy und Chris (RIP) waren dem Virus verfallen und sind es noch immer, auf einen CoVi in der Villa Saarburg.

Die weiteren Ausgaben der kleinen Serie:

Lest hier auch die Januar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Hammerfall: 20 Jahre Renegade

Hier kommt ihr zur Februar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Destruction: 20 Jahre All Hell Breaks Loose

Klick hier für die März-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Papa Roach: 20 Jahre Infest

In der April-Ausgabe gab es in der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: The Offspring: 20 Jahre Conspiracy Of One

Schaut euch auch die Mai-Ausgabe der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe an: Iron Maiden: 20 Jahre Brave New World

In der zweiten Mai-Ausgabe wurden Stratovarius mit „Could Be On Tour Today With Music From The Past” und Infinite vorgestellt

Für die Juni-Ausgabe, hatten wir uns Virgin Steele mit „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past und The House Of Atreus Act II  vorgenommen.

Hier kommt ihr zur ersten Juli-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Limp Bizkit: 20 Jahre Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water

Die zweite Juli-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past beschäftigt sich mit Linkin Park und Hybrid Theory

In der August-Ausgabe gab es eine Doppelpack in einer Story von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past, es geht um zwei Bands aus Göteborg, Haven von Dark Tranquillity und Clayman von In Flames

In der Oktober-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past geht es um die Mitbegründer des Progressive Metal, Fates Warning und ihr Werk Disconnected

In der ersten November-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past widmen wir uns den Dänen Pretty Maids und ihrem Album Carpe Diem.

Hier kommt ihr zur zweiten November-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Rhapsody: 20 Jahre Dawn Of Victory

Im dritten Teil unserer November-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe wird das Album Verlierer Sehen Anders Aus der Düsseldorfer Punkrocker Broilers beleuchtet.

Hier kommt ihr zur ersten Dezember-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Edguy: 20 Jahre The Savage Poetry

Hier kommt ihr zur zweiten Dezember-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Deftones: 20 Jahre White Pony

Die dritte Dezember-Ausgabe trägt den Titel 20 Jahre We Are Motörhead von und mit Lemmy und seiner Band Motörhead im „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Gewand.

Und noch eine Dezember-Ausgabe. Hier nun: Nightwish: 20 Jahre Wishmaster – „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past

Die Januar-Ausgabe trägt den Titel unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Amorphis: 20 Jahre Am Universum

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